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Das Internetmagazin des Kreisverbandes Uelzen

Allgemeine Zeitung vom 9.7.2007

Auf die Palme gebracht
Stadtwerke-Geschäftsführer stellt sich Palmöl-Diskussion

Von Angelika Jansen. Nach dem das Palmöl, mit dem die Stadtwerke ein Blockheizkraftwerk auf dem Betriebsgelände der Uelzena betreiben, die Grünen "auf die Palme" gebracht hatten, sollten Fachleute Klarheit über die Nachhaltigkeit des Palmölimports bringen. Auf Einladung des Kreisverbands Bündnis 90/ Die Grünen stellte sich Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Schümann bei einer Podiumsdiskussion in der Deutschen Eiche in Veerßen.

"Wir haben die Instanz, die eine nicht im Ruch der Parteilichkeit stehende Überprüfung von Nachhaltigkeitskriterien zulässt, noch nicht gefunden", gestand Schümann, "sonst würden wir sie nutzen", versprach er. Die Stadtwerke Uelzen waren wegen ihrer Energieproduktion mit dem aus Malaysia importierten Palmöl in die Kritik geraten und hatten sich zum Nachweis der Nachhaltigkeit auf ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten berufen.

Mit einem Blick auf die Stellen der Weltkarte, wo Palmöl produziert wird, zeigte Marianne Klute von der Organisation ‚Watch Indonesia’ "unter welchen Bedingungen die Menschen dort arbeiten und leben und dass der Export von Palmöl soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit nicht berücksichtigt."

Auch Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker, der zudem den Umgang mit den Landrechten anprangert, lehnt den Palmöl-Import vor allem aus Indonesien ab. Beide Referenten beanstanden massive Umweltschäden, zunehmende Abholzung des Regenwaldes, Verletzung von Menschenrechten und keine Einhaltung der Kriterien des "Runden Tisches".

Der Round Table on Sustainable Palm Oil, sei 2004 als Verein angetreten, um gemeinsam mit Unternehmen und Interessenverbänden Kriterien für die nachhaltige Palmöl-Produktion weltweit zu entwickeln und umzusetzen. Es fehlen Transparenz und Rückverfolgbarkeit, waren sich die Vertreter aller Positionen Pro und Contra Palmöl einig.

Als Verfechter der Pflanzenöle stellte Professor Dr. Ernst Schrimpff vom "Bundesverband Pflanzenöle" die Vor- und Nachteile verschiedener biogener Treibstoffe vor. Er unterstützte die Forderung, Bioenergien umweltschonend, dezentral, Co2-neutral zu gewinnen, verwies auf Beispiele in Kolumbien, wo auch Palmöl durchaus nachhaltig angebaut werde. Um solche positiven Entwicklungen nicht zu behindern, plädierte auch er mit Hans-Josef Fell, Mitglied des Bundestages und Sprecher für Energie und Technologie der Grünen, für den weiteren Import. "Wer Nein zu Palmöl sagt, sagt Ja zu fossilen Energien." Demgegenüber wiederholte Kreislandwirt Fabel die Forderung den regionalen Anbau zur Gewinnung von Pflanzenölen zu unterstützen.

Das breite Spektrum von Expertenmeinungen und den Ansichten ihrer Kritiker zeigte den rund 50 Zuhörern der Veranstaltung, dass Nachhaltigkeit Taten fordert. Bei der Frage, "wer schon einen Co2-neutralen Kraftstoff in seinem Fahrzeug verbrenne?", geriet die Diskussion ins Stocken. Es komme ja auch keiner auf die Idee den Erdöl-Import zu stoppen, um alternative Energien zu forcieren, hieß es zum Schluss der Veranstaltung.

Die Positionen auf der Veranstaltung

Ulrich DeliusFoto M. Klute

Marianne Klute von der Organisation 'Watch Indonesia' und Ulrich Delius von der 'Gesellschaft für bedrohte Völker' lehnen den Palmöl-Import vor allem aus Indonesien ab: Massive Umweltschäden, zunehmende Abholzung des Regenwaldes, keine Einhaltung der Kriterien des "Rundes Tisches" und die Verletzung von Menschenrechten.
Gesellschaft für bedrohte Völker
Watch Indonesia

Foto Rainer FabelRainer Fabel, Kreislandwirt, kritisierte die Bundespolitik wegen der Besteuerung von Biodiesel. Er lehnt die Palmöl-Import ab und fordert stattdessen, regionales Rapsöl einzusetzen.

Foto Dr. SchrimpffProf. Dr. Ernst Schrimpff von "Bundesverband Pflanzenöle" stellt die Vor-und Nachteile verschiedener biogener Treibstoffe vor. Bioenergien müssen umweltschonend, denzentral, CO2-neutral gewonnen werden. Palmöl könne durchaus nachhaltig angebaut werden. Schrimpff verweist auf positive Beispiele in Kolumbien.
Vortrag Prof. Dr. Schrimpff

Foto Marcus SchümannMarcus Schümann, Geschäftsführer der Stadtwerke Uelzen, betonte, ohne Palmöl könne das BHKW nicht wirtschaftlich betrieben werden. Zudem seien die Nachhaltigkeitskriterien, nach welchen die Stadtwerke ihr Palmöl beziehen, auf einem hohen Standard und würden ein zukünftiges Zertifikat auf jeden Fall erfüllen. Schümann betonte, sein Unternehmen würde jederzeit auch auf andere Energiequellen umsteigen, soweit diese wirtschaftlicher wären.
Vortrag mycity


Foto Hans-Josef Fell Hans-Josef Fell, MdB und Experte für erneuerbare Energien, plädiert für eine differenzierte Betrachtungsweise und lehnt einen Importstopp von Palmöl ab, mit Ausnahme Indonesiens. Es müsse aber erheblicher (internationaler) Druck auf die Nachhaltigkeit ausgeübt werden. Nur so können die bisherigen mustergültigen Ansätze auch ausgeweitet werden. Ein Importstopp würde nur die Monokulturen noch weiter ausweiten. Den Regenwaldinitiativen wirft Fell vor, zu einseitig vorzugehen und vermisst bei ihnen einen Importstopp für Erdöl.
Hans-Josef Fell
Fotos: Angelika Jansen, Journalistin, Uelzen


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